Die lebende Zelle kann wie ein offenes Buch studiert
und ihr jeweils momentaner Zustand, die Regulation physiologischer
Abläufe, oder die Expression definierter GFP-markierter Proteine
analysiert werden. Die auf diesen Aktivitäten gründende enge interdisziplinäre
Vernetzung von Biologen, Medizinern, Physikern und Ingenieuren auf
dem Gebiet der mikrophysiologischen und bioelektronischen Zell-Analytik
und -Sensorik und der technischen Nutzung von Biosystemen in Rostock
ist in Deutschland neu. Damit ist bei uns die komplette Leistungspalette
von der Biologie, über die Mikrosystemtechnik bis hin zu komplexen
CMOS-Sensoren und der Schaltungsentwicklung für biomedizinische
Fragestellungen vorhanden. Dies und die Kombination mit der Analyse
der Zellfunktionen in einer Hand sind jedoch nur hier gegeben. Die
Komplementarität zum Screening-Ansatz der Genomik/Proteomik besteht
darin, dass mit diesen Verfahren zwar wenige Zellen, aber diese
in fast beliebig großem Detail analysiert werden können.
Das Zentrum betreibt Forschung und Lehre, arbeitet
im Kontakt mit Geräteherstellern, dient dem Technologie-Transfer
sowie der Erprobung und Weiterentwicklung von Geräten, Software
und Verfahren. Auf einigen Gebieten haben Mitarbeiter wesentlichen
Anteil am technologischen Fortschritt, z.B. bei der digitalen Lichtmikroskopie
und Videomikroskopie an lebenden Zellen (Prof. Weiss). Ein Lichtmikroskopiezentrum
vergleichbarer Ausstattung gibt es an keiner anderen deutschen Universität.
Das Center basiert wesentlich auf das "Innovationskolleg
Komplexe und zelluläre Sensorsysteme". Hier wurden Zellanalysenmethoden
und die Entwicklung von Zellsensoren auf der Basis von Nervenzellen,
Knochen- und Bindegewebszellen oder Blaualgen bearbeitet. Die lebende
Zelle dient als Reporter über ihre Umgebung und ist Teil des Sensorsystems
(Abb.), das für uns die Bioverträglichkeit von technischen Materialien,
der Lebensfähigkeit von Zellen in technischem Umfeld (elektromagnetische
Einflüsse) oder die Wirkmechanismen neuer Arzneimittel misst.