"Biodiversität und Tourismus: Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf die Dünenvegetation der Pommerschen Bucht"

 

Einleitung und Überblick

Die hier vorgestellte Promotionsarbeit beschäftigte sich mit der Erfassung und Bewertung der Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf die Strand- und Dünenvegetation im deutsch-polnischen Grenzgebiet der Pommerschen Bucht. Der Untersuchungsraum liegt in einer sehr strukturschwachen Region der heutigen EU-Außengrenze und der Fremdenverkehr ist auf beiden Seiten der Grenze eine der wichtigsten Einkommensquellen. Ein weiteres Ansteigen der Besucherzahlen konte bereits mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union (EU) beobachtet werden, so dass der Druck auf die besonders intensiv genutzten Sandstrände weiter zugenommen hat. Die Küstenökosysteme, insbesondere die Biodiversität der Strand- und Dünenökosysteme, sind besonders sensibel bzw. dementsprechend schutzbedürftig (englische Zusammenfassung der Promotionsschrift als PDF).

Die Untersuchungen haben die Veränderungen der natürlichen Pflanzenvielfalt der Strände und Dünen gemessen, wobei unter anderem besonderer Wert auf so genannte Biodiversitätsindizes (z.B. von Shannon und Wiener) gelegt wurde. Es wurde deutlich, dass alle Strand- und Dünenabschnitte vom Fremdenverkehr betroffen sind. Unterschiede beruhen vor allem auf die Anzahl der Besucher und die Art der Nutzung. Veränderungen beruhen auf mechanische Störungen (z.B. Trittschäden) oder eine künstliche Nährstoffanreicherung (z.B. Toilettennutzung). Typische, seltene oder hoch spezialisierte Dünenpflanzen werden von weit verbreiteten "Allerweltsarten" verdrängt. Innerhalb von Badeorten beeinträchtigt zusätzlich das sogenannte Strandmanagement mit dem teils intensiven Strandreinigen die Vegetationsentwicklung. Großtechnik wird eingesetzt und sämtlicher Bewuchs wird vom Strand entfernt, so dass auch eine potenzielle Neubildung von Dünen unterbunden wird. Auf den älteren Dünen werden dagegen Pflanzungen durchgeführt. Insbesondere in den vergangenen Jahren wurden hierbei auch exotische Arten benutzt. Zusätzlich finden sich immer wieder innerhalb der Ortslagen auch Zierpflanzen auf den Dünen, die sich entweder selbst ausbreiten oder aber durch Gartenabfälle auf die Dünen verschleppt wurden.

Ziel der Arbeit ist die Entwicklung einer Bewertungsmethode für die Erfassung der Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf die Strand- und Dünenvegetation. Diese soll zusammen mit Maßnahmenvorschläge konkrete Hinweise geben, wie zukünftige Schäden vermieden oder zumindest minimiert werden können, umso einen Beitrag für ein integriertes Küstenzonenmanagement zu liefern.

 

Untersuchungsgebiete

Die Pommersche Bucht liegt in der südlichen Ostsee zwischen Polen und Deutschland. Die Boddenausgleichs- bzw. die Haffküste stellt einen besonderen Biotopkomplex dar, der durch den ständigen Wechsel von Abrasionsküsten mit Kliffbildungen und Akkumulationsküsten mit flachen Sandstränden und Dünen geprägt ist. Pleistozänes Material wird vom Meer von den Steilküsten erodiert, sortiert und die Küste entlang transportiert. Sand können sich an flachen Sandstränden akkumulieren und durch den weiteren Windtransport zu großeren Dünenkomplexen aufbauen. Auf diese Weise sind zwischen den einzelnen eiszeitlichen Moränenkernen (Pleistozäne Sedimente) langestreckte Sandnehrungen entstanden die im Zusammenhang die Landschaft prägen.

Die flachen Sandstrände mit ihren Dünen sind einige der wenigen Primärhabitate in Mitteleuropa und geraten unter zunehmenden Druck von der Tourismusindustrie, die eine der wenigen Wachstumsbranchen der Region ist. Am nördlichen Rand der EU gelegen, ist die Region durch hohe Arbeitslosigkeit und niedrigstes Wirtschaftswachstum gekennzeichnet. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks haben die Besucherzahlen stetig zugenommen und ein weiteres Ansteigen ist mit dem Beitritt Polens zur EU zu erwarten. Somit wird auch der Druck auf die Küste und ihre natürlichen Resourcen zunehmen.

 

Methoden und allgemeine Ergebnisse

Die Untersuchungen basieren auf den Vergleich unterschiedlich stark genutzter Strandabschnitte. Dazu wurden Flächen unterschiedlicher Nutzung (z.B. Seebad oder ein abgelegener Badestrand mit Parkplatz) und unterschiedlichen Besucherzahlen verglichen. Entlegene bzw. schlecht erreichbar Strandabschnitte wurde von deutlich weniger Strandgästen besucht als Strände, die leicht mit dem Auto erreichbar waren oder direkt innerhalb von Badeorten lagen. Die folgende Abbildung macht die prinzipiellen Unterschiede deutlich:

Die Methode der Pflanzenaufnahmen nach Braun-Blanquet (1962) wurde gewählt, um Pflanzenarten und Bedeckungsgrade zu erfassen. In den letzten beiden Jahren wurde weit über 700 Aufnahmen durchgeführt, aber die Auswertung der Daten ist noch lange nicht abgeschlossen. Verschiedene Diversitätsindizes wurden berechnet und ein Index, der auf dem Index von Shannon and Wiener (H’) basiert erscheint zur Zeit am besten, um für mit ihm die Messung und Bewertung der Diversität durchzuführen.

Veränderungen durch den Fremdenverkehr finden sich in allen Bereichen des Strandes und der Dünen. Mechanischer Streß (Trittschäden, intensives Strandreinigen) führt zur direkten Schädigung oder Zerstörung der Pflanzen und einem entsprechenden Rückgang der Artenvielfalt. Die anthropogen bedingte Nährstoffanreicherung (Toilettennutzung der Dünen, gärtnerische Arbeiten) führt zu einem Wandel des Arteninventars: Typische, hoch spezialisierte Dünenpflanzen werden von "Allerweltsarten" verdrängt und die natürliche Diversität der Dünen nimmt ab. Am augenfälligsten ist der Rückgang oder komplette Verschwinden von Moosen und Flechten auf den stärker gestörten Dünen. Auf dem Strand selbst können intensives Strandmanagement und hohe Besucherzahlen zur Zerstörung der Spülsaum- und Primärdünenvegetation führen. Eine Dünenneubildung kann so vollständig verhindert werden. Es ist allerdings schwer das Fehlen von Primär- oder Vordünen alleine auf den Fremdenverkehr zurückzuführen, da hier die anthropogenen Veränderungen von den natürlichen Veränderungen (vor allem durch Stürme im Winterhalbjahr) überlagert werden und es sich daher um ein natürlicherweise hochdynamisches System handelt. In Deutschland sind die meisten untersuchten Dünen aus Gründen des Hochwasserschutzes anthropogen überformt worden, um mit einem optimalen Dünenprofil (in Anlehnung an ein Deichprofil) den bestmöglichen Hochwasserschutz zu gewährleisten.

 

Veröffentlichungen und Zusammenarbeit

Neben verschiedenen Formen der Kooperation innerhalb des Stipendienschwerpunktes der DBU, wurde auf den polnischen Gebieten zusammen mit dem Institut für marine Geomorphologie gearbeitet, dass ein Bestandteil der Meereswissenschaften an der Universität Szczecin ist. In Deutschland wurden verschiedene Gespräche mit lokalen öffentlichen Einrichtungen und Ämtern bzw. mit verschiedenen Interessensvertretern geführt.

Eine ausführliche Zusammenfassung kann als PDF Datei heruntergeladen werden (2,3 MB).

Grunewald, R., 2004a. Biodiversität und Tourismus: Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf die Strand- und Dünenvegetation der Pommerschen Bucht. In: Bundesamt für Naturschutz: Treffpunkt Biologische Vielfalt 4; 129-136.

Grunewald, R., 2004b. Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf die Dünen- und Spülsaumvegetation auf Rügen und Usedom unter besonderer Berücksichtigung verschiedener Diversitätsindizes (Effects of recreational activities on the dune and beach vegetation on Ruegen and Usedom Island). In: Rostock. Meeresbiolog. Beitr. 12; 71-88.

Grunewald, R. & H. Schubert (in press 2006). The definition of a new plant diversity index ‘‘H’dune‘‘ for assessing human damage on coastal dunes - Derived from the Shannon index of entropy H’.Ecological Indicators, accepted 07. September 2005.

Grunewald, R. (accepted 2005). Assessment of Damages from Recreational Activities on Coastal Dunes of the Southern Baltic Sea. Journal of Coastal Research, accepted 11. November 2005

Grunewald, R. (manuscript): Disturbed and natural beach and dune vegetation along the Pommeranian Bight in Poland and Germany – changes from recreational activities.

Dr. Ralf Grunewald

Dipl. Ing. (Landscape Planning)

University of Rostock, Biosciences

Albert-Eintstein Straße 3

18051 Rostock

ralf.grunewald@biologie.uni-rostock.de

 

Dipl. Ing. (Landschaftsplanung-TU) Ralf Grunewald

University of Rostock, Biosciences

Albert-Eintstein Straße 3

18051 Rostock

ralf.grunewald@biologie.uni-rostock.de

 

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