Fachbereich Biowissenschaften - Institut für aquatische Ökologie

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wpe5.jpg (715 Byte)Elektronische Erstellung einer Referenzsammlung "Makroalgen der südlichen Ostsee"


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Teilvorhaben im Rahmen des BMB+F-geförderten F+E-Vorhabens "Botanische Knoten im Rahmen der deutschen Beteiligung an der Global Biodiversity Information Facility (GBIF)"

wpe5.jpg (715 Byte) Wissenschaftliche Arbeitsziele des Rostocker
    Vorhabens:

Im Rahmen des beantragten Vorhabens sollen die Makroalgen-Belege der Universitäten Rostock und Greifswald, soweit im gesetzten Zeitrahmen möglich, gesichert und erfasst werden. Beide Herbarien enthalten zusammen ca. 13000 Belege, wobei vor allem die Rostocker Sammlung in einem sehr schlechten Zustand ist, so dass zumindest teilweise eine Sicherung von besonders wertvollen Belegen (Typusmaterial) erfolgen muss. Weiterhin soll eine Sichtung der Bestände des Meeresmuseums Stralsund (ca. 8000 Belege, zum größten Teil von außerhalb der Ostsee stammend) erfolgen, für das Gebiet relevante Belege sollen mit erfasst werden. Durch diese Erfassung soll die Grundlage für die Erstellung von Verbreitungsübersichten und Ableitung von Besiedelungstrends, wie bereits für die Characeen der Region durchgeführt, geschaffen werden. Ein weiteres Ziel ist das Wiederauffinden von Typusmaterial. Bereits während der Vorarbeiten zeigte sich, dass Typusmaterial, welches als im II. WK verschollen galt, sich im Herbarium Greifswald befindet. Nur eine systematische Katalogisierung kann klären, ob es sich hierbei nur um Characeen-Belege handelt oder ob sich hier auch verschollene Typen anderer Taxa befinden.

wpe5.jpg (715 Byte) Hintergrund:

Makroalgen spielen als Struktur- und Funktionselement eine herausragende Rolle in allen Küstenökosystemen mit Hartsubstrat. Im Bereich der Ostsee ist, aufgrund des Salinitätsgradienten, eine rasche Abnahme der Artenzahl, verbunden mit gravierenden Veränderungen in der Artzusammensetzung, in West-Ost Richtung zu beobachten (Nielsen et al. (1995) Distributional index of the benthic macroalgae of the Baltic Sea area. Acta Botanica Fennica 155: 51pp.). Der Bereich der deutschen Ostseeküste stellt dabei ein Gebiet dar, in dem sich die Salinität im Bereich des Horohalinikums bewegt, so dass hier starke Verschiebungen im Artinventar zu beobachten sind (Schubert & Krause 2002: Macrophytes in Coastal Enclosures of the Southern Baltic - Recent Knowledge and Developments. CEEDES, in press). Diese Verschiebungen sind nicht nur räumlicher, sondern auch zeitlicher Natur, so dass Herbarbelege oftmals die einzige Möglichkeit darstellen, das historische Vorkommen einer Art sicher zu belegen. Das ist vor allem auch dann der Fall, wenn entweder infolge morphologischer Variabilität der Spezies oder systematischer Neugliederung der betreffenden Taxa Unsicherheiten betreffs der Bestimmung bestehen. Dazu kommt, dass das Gebiet der deutschen Ostseeküste tiefgreifenden anthropogenen Veränderungen ausgesetzt war, deren Einflüsse auf die Küstenökosysteme gegenwärtig im Brennpunkt wissenschaftlichen und ökonomischen Interesses stehen ("EU-Wasserrahmenrichtlinie" 2000/60/EG). Diese Einflüsse lassen sich nur unter Zuhilfenahme aller verfügbaren historischen Daten nachzeichnen, wobei den Herbarbelegen besonderer Wert beigemessen wird, da sie in vollem Umfang als gesichert gelten können. Bezüglich der Aufarbeitung von Makroalgen-Herbarien im Ostseebereich muss konstatiert werden, dass gegenwärtig nur Teile der Sammlungen in elektronischer Form erfasst sind. Lediglich in Schweden und Dänemark sind elektronisch abrufbare Beleg- bzw. Typus-Datenbanken (Schweden: http://www.nrm.se/vxter.html.se, Dänemark: http://www.nathimus.ku.dk),  in Vorbereitung, aktuell zugänglich ist nur die schwedische Datenbank (in unvollständiger Form).
Die im Projekt vorgesehene Sicherung und elektronische Erfassung der Referenzmaterialien von Makroalgen des südlichen Ostseebereiches bezieht sich direkt auf Punkt 2.2 der GBIF Rahmenbedingungen. Die hier aufgeführten Sammlungen stellen das Referenzmaterial für das gegenwärtig im Gebrauch befindliche Phytobenthos-Bestimmungswerk des Ostseebereiches dar (Pankow, H.: Algenflora der Ostsee. Fischer-Verlag Jena) und sind damit für Lehre und Forschung von unschätzbarem Wert. Für die Abschätzung von Veränderungen in den küstennahen Habitaten stellen die Aufsammlungen, die bis 150 Jahre zurück reichen, mangels schriftlicher Zustandsbeschreibungen die einzig verfügbare Quelle dar.

Chara canescens_k.jpg (108526 Byte)

Herbar ROST, Herbarium generale: Beleg von Chara canescens, Darß-Zingster Boddenkette bei Michaelsdorf, 2002.

chara fragilis k.jpg (465981 Byte)

Herbar GFW, Herbarium BAENITZ: Beleg von Chara globularis, Polen, Cammin, 1891.

Chara lilj_k.jpg (397887 Byte)

Herbar GFW, Herbarium Münteri: Beleg von Chara hispida, Darß-Zingster Boddenkette, Gräben bei Prerow, 1856, revidiert zu Chara liljebladii.

Nitella syncarpa_k.jpg (380247 Byte)

Herbar GFW, Herbarium Bauer: Beleg von Nitella syncarpa, Berlin, Jungfernheide, 1849

Da große Teile der küstennahen Gebiete der südlichen Ostseeküste im vergangenen Jahrzehnt unter Schutz gestellt wurden, ist eine detaillierte Auswertung dieser Quellen geboten. Ein problemloser Zugriff auf dieses Datenmaterial ist jedoch nur nach vorheriger Katalogisierung in elektronisch verfügbarer Form möglich. Ein Teil der Aufsammlungen befindet sich zudem in einem sehr schlechten Zustand, der sofortige Sicherungsmaßnahmen erforderlich macht, wenn nicht das Material für immer verloren gehen soll. Durch Anbindung an die Universität Rostock ist eine Nachhaltigkeit des Zuganges gewährleistet.

wpe5.jpg (715 Byte) Arbeitsplan:

M1-2: Einarbeitung in die Katalogisierungstechnik in direkter Absprache mit dem Helgoländer Projekt, um vollständige Kompatibilität zu erreichen, und Anschaffung der benötigten Technik (Barcode-Geräte). Erste Durchsicht der Bestände des Rostocker Herbars zur Festlegung der zu sichernden Bestände. Absprache mit Meeresmuseum Stralsund bezüglich Konvertierung der Datenbank und Einbindung der relevanten Belege in die zu erstellende elektronische Datenbankstruktur. Mst 1, M2: Übersicht über zu erfassendes Material, Aufstellung einer Prioritätsliste. M2-5: Katalogisierung und Sicherung der Bestände des Rostocker Herbariums. Erfassung des Typusmaterials in digitalisierter Form. Restaurierung besonders wertvoller Belege. Mst 2, M5: Abschluss der Arbeiten am Teilbereich Rostock, Aufstellung einer Übersicht über noch zu erfassende Bestände und einer Anleitung zu deren Erfassung zwecks Nutzung durch nachfolgende Bearbeiter (z.B. ABM, Projektpraktikum etc.). M6-8:  Katalogisierung der Bestände des Greifswalder Herbariums. Erfassung des Typusmaterials in digitalisierter Form. Mst 3, M8: Abschluss der Arbeiten am Teilbereich Rostock, Aufstellung einer Übersicht über noch zu erfassende Bestände und einer Anleitung zu deren Erfassung zwecks Nutzung durch nachfolgende Bearbeiter (z.B. ABM, Projektpraktikum etc.). M8-10: Abschliessende Erstellung der elektronisch verfügbaren Datenbank, Einbindung der Typus-Abbildungen und Einstellung ins Internet. Mst 4, M10: Abschluss der Arbeiten, Fertigstellung der Datenbank.

wpe5.jpg (715 Byte) Nutzungsmöglichkeiten:

Die zu erstellende elektronische Datenbank wird unmittelbar im Rahmen der Umsetzung der eingangs erwähnten EU-Wasserrahmenrichtlinie von Forschungs- und Verwaltungsinstitutionen genutzt werden. Darüber hinaus ermöglicht sie einen problemlosen Zugang zu den Sammlungen in allen Fällen von taxonomischen und systematischen Fragestellungen, die nur unter Zuhilfenahme von Typusmaterial zu klären sind. Für Lehrzwecke wird der Zugriff auf Herbarmaterial auch Instituts-übergreifend ermöglicht, eine gezielte Ausleihe von Herbarbelegen erforderte bisher eine aufwendige Voruntersuchung. Durch die Verfügbarmachung von Abbildungen des Typusmaterials in digitalisierter Form wird eine Belebung des Interesses an meeresbotanischen Fragestellungen erwartet, Freilandbearbeitern wird damit die Bestimmung kritischer Taxa erleichtert. Durch die Sicherung der Bestände werden Informationen zum historischen Arteninventar erhalten, die anderenfalls verloren gehen würden. Durch die elektronische Verfügbarmachung der Daten kann erstmals eine Gesamtauswertung des Materials, Verbreitungsmuster und zeitliche Trends betreffend, erfolgen, die auch Ansätze zur Bioindikation von Langzeittrends abiotischer Parameter ermöglicht. Weiterhin wird erwartet, dass sich hier eine Vorbildwirkung ergibt, die zur Aufarbeitung weiterer Herbarien in kompatibler Form führt, so dass dem Verlust des Materials der zahlreichen kleineren Sammlungen vorgebeugt werden kann.