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Elektronische Erstellung einer Referenzsammlung "Makroalgen der südlichen Ostsee"
Teilvorhaben im Rahmen des
BMB+F-geförderten F+E-Vorhabens "Botanische Knoten im Rahmen der deutschen
Beteiligung an der Global Biodiversity Information Facility (GBIF)"
Im
Rahmen des beantragten Vorhabens sollen die Makroalgen-Belege der Universitäten Rostock
und Greifswald, soweit im gesetzten Zeitrahmen möglich, gesichert und erfasst werden.
Beide Herbarien enthalten zusammen ca. 13000 Belege, wobei vor allem die Rostocker
Sammlung in einem sehr schlechten Zustand ist, so dass zumindest teilweise eine Sicherung
von besonders wertvollen Belegen (Typusmaterial) erfolgen muss. Weiterhin soll eine
Sichtung der Bestände des Meeresmuseums Stralsund (ca. 8000 Belege, zum größten Teil
von außerhalb der Ostsee stammend) erfolgen, für das Gebiet relevante Belege sollen mit
erfasst werden. Durch diese Erfassung soll die Grundlage für die Erstellung von
Verbreitungsübersichten und Ableitung von Besiedelungstrends, wie bereits für die
Characeen der Region durchgeführt, geschaffen werden. Ein weiteres Ziel ist das
Wiederauffinden von Typusmaterial. Bereits während der Vorarbeiten zeigte sich, dass
Typusmaterial, welches als im II. WK verschollen galt, sich im Herbarium Greifswald
befindet. Nur eine systematische Katalogisierung kann klären, ob es sich hierbei nur um
Characeen-Belege handelt oder ob sich hier auch verschollene Typen anderer Taxa befinden.
Makroalgen
spielen als Struktur- und Funktionselement eine herausragende Rolle in allen
Küstenökosystemen mit Hartsubstrat. Im Bereich der Ostsee ist, aufgrund des
Salinitätsgradienten, eine rasche Abnahme der Artenzahl, verbunden mit gravierenden
Veränderungen in der Artzusammensetzung, in West-Ost Richtung zu beobachten (Nielsen et
al. (1995)
Distributional index of the benthic macroalgae of the Baltic Sea area. Acta
Botanica Fennica 155: 51pp.). Der Bereich der deutschen
Ostseeküste stellt dabei ein Gebiet dar, in dem sich die Salinität im Bereich des
Horohalinikums bewegt, so dass hier starke Verschiebungen im Artinventar zu beobachten
sind (Schubert & Krause 2002: Macrophytes in Coastal Enclosures of the Southern Baltic
- Recent Knowledge and Developments. CEEDES, in
press). Diese
Verschiebungen sind nicht nur räumlicher, sondern auch zeitlicher Natur, so dass
Herbarbelege oftmals die einzige Möglichkeit darstellen, das historische Vorkommen einer
Art sicher zu belegen. Das ist vor allem auch dann der Fall, wenn entweder infolge
morphologischer Variabilität der Spezies oder systematischer Neugliederung der
betreffenden Taxa Unsicherheiten betreffs der Bestimmung bestehen. Dazu kommt, dass das
Gebiet der deutschen Ostseeküste tiefgreifenden anthropogenen Veränderungen ausgesetzt
war, deren Einflüsse auf die Küstenökosysteme gegenwärtig im Brennpunkt
wissenschaftlichen und ökonomischen Interesses stehen
("EU-Wasserrahmenrichtlinie" 2000/60/EG). Diese Einflüsse lassen sich nur unter
Zuhilfenahme aller verfügbaren historischen Daten nachzeichnen, wobei den Herbarbelegen
besonderer Wert beigemessen wird, da sie in vollem Umfang als gesichert gelten können.
Bezüglich der Aufarbeitung von Makroalgen-Herbarien im Ostseebereich muss konstatiert
werden, dass gegenwärtig nur Teile der Sammlungen in elektronischer Form erfasst sind.
Lediglich in Schweden und Dänemark sind elektronisch abrufbare Beleg- bzw.
Typus-Datenbanken (Schweden: http://www.nrm.se/vxter.html.se,
Dänemark: http://www.nathimus.ku.dk), in Vorbereitung, aktuell zugänglich ist nur die
schwedische Datenbank (in unvollständiger Form). |
Herbar ROST, Herbarium generale: Beleg von Chara canescens, Darß-Zingster Boddenkette bei Michaelsdorf, 2002. Herbar GFW, Herbarium BAENITZ: Beleg von Chara globularis, Polen, Cammin, 1891. |
Herbar GFW, Herbarium Münteri: Beleg von Chara hispida, Darß-Zingster Boddenkette, Gräben bei Prerow, 1856, revidiert zu Chara liljebladii. Herbar GFW, Herbarium Bauer: Beleg von Nitella syncarpa, Berlin, Jungfernheide, 1849 |
Da große Teile
der küstennahen Gebiete der südlichen Ostseeküste im vergangenen Jahrzehnt unter Schutz
gestellt wurden, ist eine detaillierte Auswertung dieser Quellen geboten. Ein problemloser
Zugriff auf dieses Datenmaterial ist jedoch nur nach vorheriger Katalogisierung in
elektronisch verfügbarer Form möglich. Ein Teil der Aufsammlungen befindet sich zudem in
einem sehr schlechten Zustand, der sofortige Sicherungsmaßnahmen erforderlich macht, wenn
nicht das Material für immer verloren gehen soll. Durch Anbindung an die Universität
Rostock ist eine Nachhaltigkeit des Zuganges gewährleistet.
M1-2:
Einarbeitung in die Katalogisierungstechnik in direkter Absprache mit dem Helgoländer
Projekt, um vollständige Kompatibilität zu erreichen, und Anschaffung der benötigten
Technik (Barcode-Geräte). Erste Durchsicht der Bestände des Rostocker Herbars zur
Festlegung der zu sichernden Bestände. Absprache mit Meeresmuseum Stralsund bezüglich
Konvertierung der Datenbank und Einbindung der relevanten Belege in die zu erstellende
elektronische Datenbankstruktur. Mst 1, M2: Übersicht über zu erfassendes Material,
Aufstellung einer Prioritätsliste. M2-5: Katalogisierung und Sicherung der Bestände des
Rostocker Herbariums. Erfassung des Typusmaterials in digitalisierter Form. Restaurierung
besonders wertvoller Belege. Mst 2, M5: Abschluss der Arbeiten am Teilbereich Rostock,
Aufstellung einer Übersicht über noch zu erfassende Bestände und einer Anleitung zu
deren Erfassung zwecks Nutzung durch nachfolgende Bearbeiter (z.B. ABM, Projektpraktikum
etc.). M6-8: Katalogisierung der Bestände
des Greifswalder Herbariums. Erfassung des Typusmaterials in digitalisierter Form. Mst 3,
M8: Abschluss der Arbeiten am Teilbereich Rostock, Aufstellung einer Übersicht über noch
zu erfassende Bestände und einer Anleitung zu deren Erfassung zwecks Nutzung durch
nachfolgende Bearbeiter (z.B. ABM, Projektpraktikum etc.). M8-10: Abschliessende
Erstellung der elektronisch verfügbaren Datenbank, Einbindung der Typus-Abbildungen und
Einstellung ins Internet. Mst 4, M10: Abschluss der Arbeiten, Fertigstellung der
Datenbank.
Die
zu erstellende elektronische Datenbank wird unmittelbar im Rahmen der Umsetzung der
eingangs erwähnten EU-Wasserrahmenrichtlinie von Forschungs- und Verwaltungsinstitutionen
genutzt werden. Darüber hinaus ermöglicht sie einen problemlosen Zugang zu den
Sammlungen in allen Fällen von taxonomischen und systematischen Fragestellungen, die nur
unter Zuhilfenahme von Typusmaterial zu klären sind. Für Lehrzwecke wird der Zugriff auf
Herbarmaterial auch Instituts-übergreifend ermöglicht, eine gezielte Ausleihe von
Herbarbelegen erforderte bisher eine aufwendige Voruntersuchung. Durch die
Verfügbarmachung von Abbildungen des Typusmaterials in digitalisierter Form wird eine
Belebung des Interesses an meeresbotanischen Fragestellungen erwartet, Freilandbearbeitern
wird damit die Bestimmung kritischer Taxa erleichtert. Durch die Sicherung der Bestände
werden Informationen zum historischen Arteninventar erhalten, die anderenfalls verloren
gehen würden. Durch die elektronische Verfügbarmachung der Daten kann erstmals eine
Gesamtauswertung des Materials, Verbreitungsmuster und zeitliche Trends betreffend,
erfolgen, die auch Ansätze zur Bioindikation von Langzeittrends abiotischer Parameter
ermöglicht. Weiterhin wird erwartet, dass sich hier eine Vorbildwirkung ergibt, die zur
Aufarbeitung weiterer Herbarien in kompatibler Form führt, so dass dem Verlust des
Materials der zahlreichen kleineren Sammlungen vorgebeugt werden kann. |