Fachbereich Biowissenschaften - Institut für aquatische Ökologie

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„Untersuchungen der Vertikalzonierung von Primärproduzenten und Nährstoffen in einem mesotrophen dimiktischen See Mecklenburg-Vorpommerns sowie Rekonstruktion der Trophieentwicklung dieses See“

Kurzfassung:

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur sehr wenige Seen, welche so geringe Phosphorkonzentrationen aufweisen, wie sie in oligotrophen bis mesotrophen Gewässern vorzufinden sind. Im Gültzsee (Kreis Güstrow, südöstlich des Krakower Sees zwischen den Orten Dobbin und Glave) wurden diese sehr geringen Phosphorkonzentrationen ermittelt, obwohl dieser See während der Sommerstagnation ein anaerobes Hypolimnion aufweist. Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens sollen die Vertikalverteilung des Planktons und der Nährstoffe in diesem See untersucht werden. Hintergrund ist die Hypothese, dass in den Gewässern mit geringer Trophie die Primärproduktion nicht durch die Dominanz von epilimnischen Phytoplanktongemeinschaften bestimmt wird, sondern die Bedeutung metalimnischer und benthischer Primärproduzenten für die gesamten Stoffumsatzprozesse des Sees durch tiefer eindringende Strahlung zunehmen. Aus diesem Grund werden die Biomassen der pelagischen und benthischen Primärproduzenten sowie des Zooplanktons erfasst und die Kohlenstoff- und Phosphorbilanzen verglichen.
Neben den rezenten Untersuchungen der pelagischen und benthischen Primärproduzenten sollen Sedimentkerne untersucht werden. Hier werden zum einen die P-Bindung und P-Retention im Sediment ermittelt, aber auch die historische Entwicklung des Sees rekonstruiert. Dazu sollen die Oberflächensedimentkerne mittels 210Pb und 137Cs datiert werden, um eine zeitliche Zuordnung der Sedimentschichten zu ermöglichen. Anhand von Diatomeen-, Pigment- als auch Nährstoff- und Metalluntersuchungen soll die anthropogene Belastung des Sees und dessen Auswirkungen ermittelt werden. Hier soll der Frage nachgegangen werden, ab wann in diesem See ein anaerobes Hypolimnion auftrat und welche Auswirkungen diese Veränderungen der Sauerstoffverhältnisse auf die planktischen Lebensgemeinschaften als auch interne P-Freisetzung aus dem Sediment hatten.
Auf der Basis dieser Untersuchungen werden neue grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse zur Primärproduktionsleistung in mesotrophen dimiktischen Seen erwartet, welche aber auch für angewandte Fragestellungen zur Trophie-Einschätzung und Bewertung von dimiktischen Seen essentiell sind. Daraus lassen sich bessere Rückschlüsse für ein optimales Gewässermonitoring dieser Seen ableiten. Weiterhin ermöglichen diese Kenntnisse eine bessere fachliche Grundlage für die Erarbeitung von Maßnahmeplänen bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. So lassen sich Schlussfolgerungen treffen, welche Veränderungen im trophischen Gefüge dieser Seen durch die Reduzierung der Nährstoffeinträge zu erwarten sind.