Fachbereich Biowissenschaften - Institut für aquatische Ökologie

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Risikoabschätzung möglicher Auswirkungen von Salzwassereinstrom auf die Strandseenbiozönosen im Großen Binnensee und Windebyer Noor

Kurzfassung:

Von den an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gelegenen Strandseen verfügen heute nur noch wenige über eine offene Verbindung zur vorgelagerten Ostsee. Ein Großteil dieser Seen wurde seit dem 19. Jahrhundert durch die Einrichtung von Bauwerken (Siele usw.) zunehmend vom Ostseeeinfluss abgeschottet. Durch die daraus resultierende Aussüßung der Strandseen veränderte sich auch die ehemals an die brackig-marinen Verhältnisse angepasste Flora und Fauna und entspricht heute einer fast reinen Süßwassergemeinschaft. Nur noch wenige Relikte im Arteninventar deuten auf die brackige Vergangenheit dieses ehemaligen Küstengewässer-Lebensraumes hin. Im Zuge dieser Veränderung ist damit ein seltener Lebensraum in Schleswig-Holstein nahezu verschwunden, der an der gesamten Ostseeküste einzigartig ist und dessen mögliche Wiederherstellung daher nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Umsetzung der EU-WRRL lohnenswert ist. So sind einige Seen wie der Große Binnensee auch für die FFH-Richtlinie gemeldet, um die küstentypischen Lebensraumkomplexe, insbesondere Strandwall- und Dünenformationen, einschließlich der charakteristischen Arten zu erhalten, zu sichern und zu fördern

Der derzeitige ökologische Zustand der ausgesüßten Strandseen wird anhand der Makrophyten und des Phytoplanktons aufgrund der hohen Nährstoffbelastung als mäßig bis unbefriedigend beurteilt (SAGERT et al. 2007). Zum Erreichen des guten ökologischen Zustandes sind daher Maßnahmen zu ergreifen, die auch eine Annäherung an die potentiell natürlichen Salzgehaltsbedingungen beinhalten. Da eine völlige Öffnung der Strandseen aus Gründen des Hochwasserschutzes des Binnenlandes und der bestehenden landwirtschaftlichen Nutzungen im Einzugsgebiet nicht möglich ist, wird als geeignete Maßnahme eine Optimierung des Sielbetriebes dahingehend angestrebt, dass eine Maximierung des Einstromes von Ostseewasser stattfinden kann. Ziel ist in erster Linie die Erhöhung des Salzgehaltes, die eine Ansiedlung der typspezifischen, d.h. der ehemals brackigen, Lebensgemeinschaften ermöglichen soll.


Das Forschungsprojekt dient der wissenschaftlichen Begleitung der geplanten Maßnahme an den ausgewählten Strandseen Großer Binnensee und Windebyer Noor. Es sollen die biologischen Planungsgrundlagen für entsprechende Maßnahmen für die Umsetzung der WRRL- und FFH-Richtlinie liefern. Dazu werden folgende Komplexe bearbeitet bzw. untersucht:

Komplex 1
Einschätzung des Wiederbesiedlungspotentials von brackwassertypischen Vegetationsbeständen nach Salzwasserzufluss anhand von Vegetationsdaten

Komplex 2
Einschätzung des Wiederbesiedlungspotentials von brackwassertypischen Vegetationsbeständen anhand des Diasporenpotentials in den Seensedimenten

Komplex 3
Einschätzung der aktuellen Nährstoffsituation: Analyse der externen Nährstoffeintragspfade aus dem EZG und der Nährstoffpotentiale in den Sedimenten

Komplex 4
Risikoabschätzung: Darstellung von Chancen und Risiken, die durch die geplante Maßnahme für die QK Makrophyten und Phytoplankton sowie auf den gesamten Freiwasserzustand prognostiziert werden können sowie Fazit und Handlungsempfehlung


Literatur

Sagert, S., U. Selig, & H.-G. Wagner, 2007. Bewertung der Strandseen anhand der Qualitätskomponente Makrophyten, Projektbericht im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein, 4121.3-2006-511 F, 1-78.