Lehrstoff im Diplom

Das meeresbiologische Hauptstudium umfasst 49 Semesterwochenstunden und endet nach erfolgreichem Abschluss mit dem Diplom. Die Ausrichtung auf die im Bereich laufenden Forschungsvorhaben und die enge Kooperation mit dem Institut für Ostseeforschung Warnemünde gewährleisten eine moderne am aktuellen Bedarf orientierte Ausbildung. Praktika in den zur Verfügung stehenden Feldstationen und auf Forschungsschiffen, Exkursionen, Labor- und Freilandexperimente und Semesterarbeiten vermitteln schon während des Studiums einen engen Praxisbezug. Durch internationale Austauschprogramme bestehen gute Voraussetzungen für eine internationale Studentenmobilität.

Theoretisches Wissen

Praktische Fähigkeiten

Strukturanalyse

Strukturanalyse

Physiologische Grundprobleme

Physiologische Grundprobleme

Primärproduktion

Primärproduktion

Sekundärproduktion

Sekundärproduktion

Transportprozesse

Transportprozesse

Ökologische Theorien

Ökologische Theorien

Regionale Meeresbiologie

Regionale Meeresbiologie

Angewandte Meeresbiologie

Angewandte Meeresbiologie

 


 

Curriculum für Meeresbiologie an der Universität Rostock

Vorbemerkung

Die Ausbildung zum Meeresbiologen im Rahmen des Hauptstudiums ist überwiegend ökologisch orientiert und basiert auf einem Grundstudium der Zoologie und Botanik. Die Komplexität des Lebensraumes "Meer" erfordert aber wesentliche zusätzliche Kenntnisse in Mikrobiologie, Physikalischer Ozeanographie, Meereschemie, Geochemie und Sedimentologie. Der nachfolgende Lehrplan beschreibt, welche Anforderungen im Detail an einen Meeresbiologen nach dem Diplom zu stellen sind. In der Praxis der letzten Jahre hat sich gezeigt, dass dieses Diplom in der Regel nicht genügt, um einen dauerhaften Arbeitsplatz an einem deutschen Meeresbiologischen Institut zu erlangen. Vielmehr ist das Diplom eine Basis, um eine Promotionsstelle (vergeben als halbe Wissenschaftler-Stelle oder Stipendium) zu erreichen, auf der eine zusätzliche Qualifikation erfolgt. Auch im internationalen Vergleich ist die Promotion Voraussetzung, um dauerhaft als Forscher beschäftigt werden zu können. Die Ausbildung zum Meeres-Diplombiologen versetzt in die Lage, einfache ökologische Probleme, insbesondere im angewandten Bereich, selbständig zu bearbeiten, so dass auch ein anderer Arbeitsbereich als Hochschule und Forschungsinstitute, die sich am internationalen Standard orientieren müssen, denkbar ist, z.B. in der Umweltüberwachung und im Umweltmanagement.
Die Wahl der Nebenfächern hat entscheidenden Einfluss auf die weitere Spezialisierung eines Meeresbiologen. Bei den nicht biologischen Nebenfächern wird vor allem Physikalische Ozeanographie und Meereschemie empfohlen. Auch eine Beschäftigung mit Umweltrecht ist sehr anzuraten. Die biologischen Nebenfächer ermöglichen eine Schwerpunktbildung, so dass man sich durch die Wahl von Botanik, Zoologie oder Mikrobiologie mehr auf der Organismenebene spezialisieren kann, oder durch die Wahl von Genetik, Biochemie, Molekularbiologie und Zellbiologie zusätzliche Qualifikationen erarbeitet.

Ziel der Ausbildung

Ziel der Ausbildung ist, die Studenten an eigenständige wissenschaftliche Arbeit heranzuführen. Ein Meeresbiologe muss in komplexen Systemen denken können und in der Lage sein, sich zügig in neue Arbeitsgebiete einzuarbeiten. In der Biologischen Meereskunde ist hierbei die Fähigkeit zur interdisziplinären Forschung und zur Teamarbeit von besonderer Bedeutung. Als Konsequenz sind in diesem Curriculum zahlreiche Themen aufgeführt, die Nachbardisziplinen wie, z.B. der physikalischen Ozeanographie oder der Meereschemie voraussetzen.
Über den Umfang des Faktenwissens, der hierzu erforderlich ist, kann man selbstverständlich verschiedener Meinung sein. Können ist wichtiger als reines Faktenwissen. Ohne Faktenwissen besteht aber schnell die Gefahr, unverbindlich zu werden und gerade bei der interdisziplinären Arbeit, nicht mithalten zu können. Die Fülle der hier aufgeführten Themen verdeutlicht, wie umfangreich das Fachgebiet in den letzten Jahren geworden ist, und in Zeiten der Regelstudienzeit wird es nicht möglich sein, alle diese Punkte in gleichem Maße zu erlernen. Vieles sollte man können, einiges sollte man gehört haben und muss während des Graduiertenstudiums in Eigenarbeit vertieft werden. Es wurde hier bewusst darauf verzichtet, diese Differenzierung vorzunehmen, da jeder Dozent hierüber verschiedener Ansicht sein dürfte. Die Studenten werden sehr schnell lernen, welche Schwerpunkte die einzelnen Teildisziplinen setzen.
Zu Beginn eines naturwissenschaftlichen Studiums entsteht leicht der Eindruck, als müsste besonders viel Lehrbuchwissen reproduziert werden. Im Laufe des Studiums muss aber deutlich werden, dass Fortschritte in der Forschung nur durch Kreativität und das konsequente Verfolgen eigener Ideen erreicht werden können. Die jetzigen Studenten müssen später neue Ergebnisse erzielen, die ihre jetzigen Dozenten noch nicht kennen. Wissenschaft macht Spaß und erfordert enthusiastische Forscher, die ihre Arbeit mit Begeisterung machen.

Der folgende Lehrplan für Biologische Meereskunde als Hauptfach gliedert sich in eine theoretische Ebene und eine mehr praxisbezogene Ebene, die beschreibt welche methodischen Fertigkeiten vorausgesetzt werden sollten.

 

 


Theoretisches Fachwissen

Ein Diplom-Meeresbiologe soll nach seiner Ausbildung in der Lage sein, folgende theoretischen Grundlagen zu formulieren und auf konkrete Beispiele übertragen zu können, und über folgendes Faktenwissen verfügen:

 

Strukturanalyse

 

Abiotische Faktoren

 

Größenordnungen von Licht, Temperatur, Salzgehalt, Nährsalze und Sauerstoffgehalt in unterschiedlichen marinen Lebensräumen, Turbulenz, Reynolds-Zahlen, Korngrößen und chemische Zusammensetzung von Sedimenten, Spurenelemente, Porosität, Redox-Verhältnisse

 

 

Organismen

 

Baupläne der wichtigsten marinen Organismen, systematische Grundkenntnisse hetero- und autotropher Organismen, autökologische Kenntnisse der wichtigsten Ost- und Nordseearten, Tiergeographie, vertiefte Kenntnis einer Organismengruppe, Bestimmungsschlüssel

 

 

Biomasse

 

Gravimetrische, voluminometrische und biochemische Verfahren der Biomasse-Bestimmung, Umrechnungsfaktoren, Größenordnung von Biomassen in verschiedenen marinen Lebensräumen, Verteilung von Größenklassen

 

 

Diversität

 

Kenntnis verschiedener Diversitätsindices, z.B. Shannon-Weaver Index, Sanders, Hurlbert, Äquität, Größenordnung der Indices

 

 

Lebensräume und -gemeinschaften

 

Pelagial, Benthal, Phytal, Charakterisierung typischer Lebensgemeinschaften, Synökologie, Clusteranalysen, Dendrogramme, Bray-Curtis Index, MDS-Plots

 

 

Physiologische Grundprobleme von Meeresorganismen

 

Osmoregulation

 

Homoio- und poikilo-osmotische Tiere, Na+ -Transport, Ionenregulation

 

 

Temperatur

 

Q10-Regel, Arrhenius-Gleichung, Psychro-, Meso-, und Thermophilie, Gefrierschutz

 

 

Sauerstoff

 

Katabolismus, Funktion von Atmungsketten, RQ's, Anpassungen an Sauerstoffmangel, Konformisten - Regulierer, Grenzwerte für wichtige Organismengruppen, Anaerobiose

 

 

Sulfid

 

Entstehung und Konzentrationsbereiche, Entgiftungsmechanismen, SOD-Reaktion, Symbionten

 

 

Druck

 

Wirkung von Druck auf molekularer Ebene, Druck und gelöste Gase, barophile Organismen

 

 

Primärproduktion (pelagisch - benthisch)

 

Photosynthese

 

Biochemische Grundlagen, Licht, Nährsalzversorgung und Aufnahmekinetik, P/I Kurven

 

 

Primärproduktion im Meer

 

Konzept der kritischen Tiefe, Lage der Deckschicht in verschiedenen Systemen, neue und regenerierte Produktion, PQ, Nährstoffquellen und Limitierung, f-Ratio, Exportproduktion, Jahresgänge der Produktion

 

 

Sekundärproduktion

 

Populationsdynamik

 

Festlegung von Kohorten, Reproduktionszyklen und Verbreitungsstrategien von Larven, Boysen-Jensen - Gleichung, Produktion und Elimination

 

 

Wachstumskinetik

 

Michaelis-Menten Kinetik, Bertalanffy-Gleichung, Wachstumslimitierung (Liebig, Monod)

 

 

Microbial loop

 

DOC, Ektoenzyme, Bakterien, Ciliaten und Flagellaten, Viren

 

 

Energieflußgleichung und ökologische Effizienzen

 

Energieflußgleichung nach Crisp, ökologische Effizienzen wie A/C; C/P für verschiedene Ernährungstypen, RQ-Werte

 

 

Transportprozesse

 

1. und 2. Ficksches Gesetzt, Transportgleichungen

 

 

Sedimentation und Resuspension

 

Stokesches Gesetzt, Gibbs-Gleichung, saisonale Sedimentationsmuster, Hjulström-Diagramm, Bodenrauhigkeit, kritische Schubspannung, Aggregattypen, Aggregatbildung und Zerstörung an Grenzschichten, Mikronischen, Exopolymere

 

 

Hydrodynamik an Grenzflächen

 

von Karman-Prandtl Gleichung, Kolmogoroff-Längen, Dissipationsenergie, Diffusions-, Viskose-, und Logarithmische Grenzschichten

 

 

Bioturbation

 

Wechselwirkung Tier - Sediment, Größenordnung von Mischungskoeffizienten für Partikel- und Flüssigkeitstransport, Kbio, Db, künstliche und natürliche Tracer

 

 

Vertikalwanderung

 

Verhalten von Zooplankton, saisonale und diurnale Rhythmen

 

 

Laterale Advektion

 

Conveyor belt, regionale Strömungsmuster, Tiefenwasserbildung, Boden-Nepheloidschichten, Depot-Center, Residenz-Zeiten, Flußeinträge, upwelling, current riding, cross-shelf transport

 

 

Ökologische Theorien

 

Intra und Interspezies-Wechselwirkung

 

Konkurrenz

 

  • k- und r- Strategie, Verbreitungsstrategien, Lotka-Volterra-Modell, ZNGI-Linie

 

Räuber-Beute Verhältnis

 

  • Keystone predator, grazing, clearance rate, Verteidigungsstrategien

 

Epibiosen, Symbiosen, Parasitismus

 

  • Substratwahl, Verteidigungsmechanismen, Wechselwirkung Wirt-Wirtstier, mikrobielle Symbiosen, Korallen, Seep-Organismen

 

 

Stoffkreisläufe

 

Kohlenstoff-Kreislauf

 

  • Austausch Atmosphäre-Ozean, globale und regionale Kohlenstoffbilanz, Karbonatsystem, Remineralisierung, C-Umsatz in oxischen und anoxischen Systemen, Methanproduktion und -Oxidation

 

Stickstoffkreislauf

 

  • Stickstoff-Fixierung, Abbau von N-Komponenten, Nitrifizierung, Denitrifizierung, Nitratatmung

 

Schwefelkreislauf

 

  • Assimilatorische und dissimilatorische Sulfatoxidation, Sulfatatmung, Sulfidoxidation, phototrophe Schwefelbakterien, symbiontische Schwefelbakterien

 

Umsatz von Phosphat, Eisen und anderen Spurenmetallen

 

  • Eisenbindung von Phosphat, limitierende Spurenelemente, Redoxverhalten von Metallen

 

Benthisch-pelagische Kopplung

 

  • Hargrave und Suess Modell, Effekte der Planktonblütensedimentation, Kopplungsmuster in verschiedenen Systemen, Odum Modelle

 

 

Größenklassen-Theorie

 

Size-Efficiency-Hypothese, Schwinghammer-Kurve, Größenklassen - Aktivitätsbeziehungen

 

 

Ökosystemtheorie

 

Wechselwirkung Tier- Sediment, Größenordnung von Mischungskoeffizienten für Partikel- und Flüssigkeitstransport, Kbio, Db, künstliche und natürliche Tracer

 

 

Vertikalwanderung

 

Stabilitätskriterien

 

  • Konstanz, Resistenz, Elastizität

 

Energieflußkonzept

 

  • Lindemann Trophie-Modell, Odum-Modelle, Thermodynamische Grundlage von Energie und Stoffflußmodellen

 

 

Regionale Meeresbiologie

 

Ostsee

 

 

Nordsee mit Wattenmeer

 

 

Küstennahe Systeme

 

Sandstrände und Felsenküste

 

Lagunen und Bodden

 

Flußästuare

 

Mangrove

 

Korallenriff

 

 

Polare Meere

 

 

Offener Ozean und Schelfmeere

 

Auftriebsgebiete

 

 

Tiefsee

 

Hot vents

 

Cold seeps

 

 

Angewandte Meeresbiologie

 

Nutzung von Ressourcen

 

Aquakultur, Fischerei, Rohstoffe

 

 

Eutrophierung

 

Einleitungsmechanismen und Größenordnungen von anthropogen bedingten Stoffflüssen

 

 

Verschmutzung

 

Organische und anorganische Schadstoffe und ihr Verhalten im Meer, Toxizität und Resistenz, Grenzwertproblematik, Dumping-Probleme

 

 

Fouling

 

Probleme in Zusammenhang mit Antifoulingmitteln, Artenimport

 

 


 

Praktische Fähigkeiten

Ein Diplom-Meeresbiologe sollte folgende Methoden selbständig anwenden können:

 

Strukturanalyse

 

Analytik

 

Präparationstechnik, Färbetechnik, Nitrat-, Nitrit-, Ammonium-, Phosphat-, Silikat- und Sauerstoff- Analyse in Seewasser, Redox, Porositätsbestimmung, einfache Korngrößenanalyse, AFDW (Ash Free Dry Weight), Corg und Norg-Analyse, ATP

 

 

Bedienung von Geräten

 

Umgang mit optischen Geräten wie Mikroskopen Binokularen, Kameras, Bedienung von Planktonnetzen und Bodengreifern, Geräteeinsatz auf See

 

 

Mathematische Kenntnisse

 

Rechnen mit e-Funktionen, PC-Kenntnisse, Clusteranalysen, Statistik

 

 

Physiologische Grundprobleme von Meeresorganismen

 

Analytik

 

Gefrierpunktserniedrigung, ETS-Methode, Winkler-Methode, Sulfid-Analyse, einfache Enzymtests

 

 

Bedienung von Geräten

 

Arbeiten mit Respirationskammern, Arbeit mit Thermostaten und Hälterungsanlagen

 

 

Mathematische Kenntnisse

 

Rechnen mit e-Funktionen, PC-Kenntnisse, Clusteranalysen, Statistik

 

 

Primärproduktion (benthisch-pelagisch)

 

Analytik

 

C14-Methode, Auswertung von 15N - Werten, sowie Methoden der "Strukturanalyse-Analytik

 

 

Bedienung von Geräten

 

Algenkultivierung, Szintillationszähler, Mikroelektroden, Lichtmessung

 

 

Mathematische Kenntnisse

 

Rechnen mit e-Funktionen, PC-Kenntnisse, Clusteranalysen, Statistik

 

 

Sekundärproduktion

 

Analytik

 

Enzymtests, Respirationsmessungen, direkte Kalorimetrie, Bombenkalorimetrie, Harnstoffanalyse

 

 

Bedienung von Geräten

 

Epifluoreszenz- Interferenz- und Phasenkontrastmikroskopie, Färbetechniken, Bildverarbeitung und Methoden wie unter "Primärproduktion"

 

 

Mathematische Kenntnisse

 

Verteilungsstatistik, Tabellenkalkulation, Zeitreihenanalyse, sowie Methoden von "Strukturanalyse"

 

 

Transportprozesse

 

Analytik

 

Auswertung von 210Pb und 234Th -Profilen, Br- -Methode

 

 

Bedienung von Geräten

 

Sinkstofffallentechnik, Partikelkamera, Strömungskanal, Strömungssensoren, Bildauswertung, Bedienung von Multinetzen, Unterwasser- Fotografie

 

 

Mathematische Kenntnisse

 

Rechnen mit analytischen Lösungen einfacher Differentialgleichungen einfache Modellierung von Mischungskoeffizienten

 

 

Ökologische Theorien, regionale und angewandte Meeresbiologie

Die Punkte "Ökologische Theorien", "Regionale Meeresbiologie" und "Angewandte Meeresbiologie" erfordern keine zusätzlichen Methoden, die von Meeresbiologen selber auszuführen wären. Anspruchsvollere Methoden, wie z.B. HPLC (High Pressure Liquid Chromatography) oder AAS (Atom Absorbtions Spektrometrie), können im Rahmen des Hauptstudiums nur demonstriert werden. In der Regel müssen die analytischen Fähigkeiten während des Graduiertenstudiums ausgebaut oder in Zusammenarbeit mit Meereschemikern erlangt werden.

 

Weitere Infos zum Studium finden Sie beim Studienbüro der Biowissenschaften:
http://www.biologie.uni-rostock.de/studium/index.html