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Verklappung

Faunavertreter

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Veränderung am Meeresboden durch Verklappung von Baggergut

am Beispiel der Klappstelle 552a ca. zehn Seemeilen nordöstlich von Warnemünde (Mecklenburger Bucht, Tiefenbereich 4-18m)

 

Die Links im Text verweisen auf Filmsequenzen

 

Vor der Verklappung war der Meeresgrund auf der Klappstelle durch natürliche Sandsedimente mit durch Strömung erzeugten Rippeln charakterisiert. In flachen Bereichen traten außerdem sogenannte "Restsedimente" eiszeitlicher Herkunft auf, die neben Sandbereichen durch Steine unterschiedlicher Größe geprägt waren.

Vom Frühjahr bis zum Spätherbst werden die benthischen Organismen mit herabsinkenden Nahrungspartikeln aus der Wassersäule versorgt. Dieses Material reichert sich besonders nach Algenblüten auf dem Meeresboden an und wird als "Fluff-Auflage" bezeichnet.

Im Spätsommer, bei hohen Temperaturen und geringer Wasserbewegung, kann es in tieferen Gebieten zu Sauerstoffmangel am Meeresgrund kommen. Dadurch entstehen auf der Sedimentoberfläche grau bis schwarze sauerstoff-freie Flecken. Zusätzliche anthropogen verursachte Nährstoffzufuhr und ein damit verbundenes, vermehrtes Algenwachstum und der sauerstoffzehrende Abbau dieser Algen verstärken den Effekt des Mangels an Sauerstoff.

Nach einer Verklappung verändert sich je nach Beschaffenheit des Baggergutes die Struktur der Sedimentoberfläche. An der hier untersuchten Klappstelle traten vermehrt Steine und unterschiedliche Mergelstrukturen auf. Unmittelbar während der Verklappung werden benthische Tiere, die nicht rechtzeitig flüchten können oder sich anderweitig schützen können, verschüttet. Außerdem kann es zu einer erhöhten Trübung in der Wassersäule durch lithogenes Material kommen, was sich negativ auf filtrierende Organismen z.B. durch Verstopfung der Filterapparate oder Verschlechterung der Nahrungsqualität, auswirkt. Nach diesen anfänglichen negativen Effekten können die neu gebildeten Oberflächenstrukturen jedoch wieder neu besiedelt werden, wie z.B. durch die Weiße Bohrmuschel (Barnea candida). Außerdem entstehen Schutzräume für Jungfische und Garnelen sowie neue Reviere für Räuber wie zum Beispiel Aale.

Welche benthischen Organismen sind betroffen?
Wie können sie auf erhöhte Partikelfrachten reagieren?

Vagile Tiere auf der Sedimentoberfläche können sich häufig freigraben oder fliehen (z.B. die Strandkrabbe oder der Seestern). Andere, am Meeresboden festsitzende, filtrierende Arten können die Schwebstoffe als Nahrung verwenden. Der überschüssige, nicht nutzbare Anteil wird als Faeces oder sogenannter Pseudofaeces wieder abgegeben. Allerdings sterben diese Organismen bei einer vollständigen Bedeckung mit Baggergut in der Regel ab, wie z.B. die Miesmuschel (Mytilus edulis), Rankenfüßer (z.B. Balanus sp.) und der Sandröhrenwurm (Pygospio elegans).

Im Sediment lebende, häufig durch Schalen oder Röhren geschützte Organismen sind gegenüber Verschüttungen generell weniger empfindlich. Allerdings tolerieren sie abhängig von Ihrer Beweglichkeit unterschiedlich hohe, maximale Überdeckungshöhen. Beispiele hierfür sind der Wattwurm (Arenicola marina), der Köcherröhrenwurm (Pectinaria koreni) sowie die baltische Plattmuschel (Macoma balthica) und die Sandklaffmuschel (Mya arenaria). Die im Sediment eingegrabenen Muscheln (z.B. Mya arenaria) sind meist durch ein Sipho mit der Sedimentoberfläche verbunden, welcher den Kontakt zur Wassersäule ermöglicht. Sie ernähren sich filtrierend von Schwebstoffen aus der Wassersäule oder auch von Partikeln auf der Sedimentoberfläche. Besonders bei erhöhten Partikelfrachten, wie z.B. nach einem Sturm oder nach einer Verklappung sind im Sediment lebende Organismen in der Lage, nicht benötigtes Material zurück in die Wassersäule zu befördern (Bioresuspension).