Prof. Dr. Carolin Retzlaff-Fürst


Curriculum vitae - Lehre - Forschung - Publikationen

 home


Curriculum vitae

1988 bis 1993 

Studium für das Lehramt an Gymnasien in der Fachrichtung Sport/Biologie an der Universität Rostock

Abschluss: 1.Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in der Fachrichtung Sport/Biologie

1993 bis 1995   

Referendariat für das Lehramt an Gymnasien Fachrichtung Sport und Biologie beim Kultusministerium Mecklenburg – Vorpommern, Landesinstitut für Schule und Ausbildung Rostock

Abschluss: 2.Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in der Fachrichtung Sport/Biologie

10.1995 bis 12.1997

Doktorandin bei Prof. Dr. F. Horn an der Universität Rostock, Mathematisch – naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich Biologie / Abt. Fachdidaktik, Förderung durch die Landesgraduiertenstiftung Mecklenburg – Vorpommern

1998 bis 04.2001

Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Rostock, Mathematisch – naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich Biowissenschaften, Institut für Biodiversitätsforschung / Abt. Fachdidaktik Biologie

2000  

Promotion zum Dr. rer. nat. im Fachbereich Biowissenschaften, Institut für Biodiversitätsforschung / Abt. Fachdidaktik Biologie an der Universität Rostock, Thema: Die Ästhetik des Lebendigen – Analysen und Vorschläge zum Biologieunterricht am Gegenstand der Formenkunde

1999 bis 2003   

Lehrerin für Biologie (mit regelm. 10-12 Wochenstunden Unterricht) am ERASMUS-Gymnasium Rostock

1999 bis 2003 

Wissenschaftliche Begleitung des BLK Modellversuchs „SINUS“ in Mecklenburg –Vorpommern

05.2001 bis 09. 2006 

Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Rostock, Mathematisch – naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich Biowissenschaften, Institut für Biodiversitätsforschung / Abt. Fachdidaktik Biologie

 

...und zwischendurch immer wieder Vertretungslehrerin für Biologie und Sport

10.2006 bis 07.2007 Vetretung der Professur Didaktik der Biologie an der LMU München
08.2007 bis 01.2009 Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Rostock, Mathematisch – naturwissenschaftliche Fakultät, Fachbereich Biowissenschaften, Institut für Biodiversitätsforschung / Abt. Fachdidaktik Biologie
02. 2008 Habilitation zum Dr. rer. nat. habil. an der Mathematisch-Naturwissenschatlichen Fakultät der Universität Rostock
04. 2008 Verleihung der "venia legendi"
02. 2009 bis 09. 2009 Vetretung der Professur Didaktik der Biologie an der Universität Leipzig
ab 1.10.2009 Professorin für Didaktik der Biologie an der Universität Leipzig
ab 1.04.2010 Professorin für Didaktik der Biologie an der Universität Rostock

zurück   


Lehre Universität Rostock

Lehre an der LMU München

Lehre an der Universität Leipzig

 zurück 


Forschung

Forschungsschwerpunkte:
  • Umweltbildung
  • Lebende Tiere im Biologieunterricht
  • Formenkunde und ästhetische Bildung im Biologieunterricht
  • Aufgabenkultur im Biologieunterricht
Die Habilitationsschrift "Das lebende Tier im Schülerurteil" erschien im Mai 2008 beim Verlag Dr. Kovac.

Beiträge aus der Forschung:

1. Sind Bodenlebewesen nur hässliche Formen der Biovielfalt?

Der Beitrag erschien in dem referierten Forschungsband zur Didaktiker Tagung des VDBIOL : „Entwicklung von Wissen und Kompetenzen im Biologieunterricht“. Die Tagung fand vom 14. bis 19. September 2003 in Berlin statt.

2. Modifying student's aesthetic appraisal of "creepy crawlies" through change of perspective

Dieser Beitrag wurde auf der “ERIDOB” Vth Conference of European Researchers in Didaktik of Biology (ERIDOB), gehalten (September 2004).     

3. Posterpräsentation auf der VIth Conference of ERIDOB. London: Institute of Education.University of London, 2006. (Poster in ppt)

4. Habilitationsschrift: Das lebende Tier im Schülerurteil. Bodenlebewesen im Biologieunterricht - eine empirische Studie. 2008.

Und hier ein paar Fotos meiner Forschungsobjekte...

Interessantes:

Retzlaff-Fürst, C.: Was Kunst in der Biologie sieht. Infodienst. Das Magazin für kulturelle Bildung. 2008 (88), S. 22/23.

Teil 1

Teil 2

zurück 


 Publikationen             

Veröffentlichungen ab 2000  

Retzlaff-Fürst, C.; Horn, F.: Ästhetisches Urteilen im Biologieunterricht. In: Bayrhuber, H./ Unterbruner, U. (Hrsg.): Lehren und Lernen im Biologieunterricht. Innsbruck: Studienverlag, 2000, S. 162-172. referierter Forschungsband

Retzlaff-Fürst, C.: Die Ästhetik des Lebendigen - Analysen und Vorschläge zum Biologieunterricht am Gegenstand der Formenkunde. Diss. Math.-Nat.-Fak. Univ. Rostock, 2000.

Retzlaff-Fürst, C.: Die Ästhetik des Lebendigen - Analysen und Vorschläge zum Biologieunterricht am Gegenstand der Formenkunde. Berlin: Weißensee-Verlag, 2001.

Retzlaff-Fürst, C.: Problemlösen im Biologieunterricht - Bericht aus der Arbeitsgruppentätigkeit. In: 2. Fachkonferenz Biologie. Aufgabenkultur und naturwissenschaftliches Arbeiten im Biologieunterricht der Orientierungsstufe. L.I.S.A. Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin, 2002.

Vogt, H.; Retzlaff-Fürst, C. (Hrsg.): Erkenntnisweg Biologiedidaktik. Beiträge der 4. Frühjahrsschule der Sektion Biologiedidaktik im VDBiol in Rostock-Warnemünde. Rostock: Universitätsdruckerei, 2002.

Retzlaff-Fürst, C.; Horn, F.: Ästhetische Urteile von Grundschulkindern zu ausgewählten bildhaften Tierdarstellungen - eine Evaluationsstudie zum „Konzept der formalen und inhaltlichen Faktoren“. In: Klee, R.; Bayrhuber, H. (Hrsg.): Lehr- und Lernforschung in der Biologiedidaktik. Band I. Innsbruck: Studienverlag, 2002, S. 47-60. referierter Forschungsband

Müller, M.; Retzlaff-Fürst, C.: Verbesserung der Aufgabenkultur. Naturwissenschaftliches Arbeiten im Biologieunterricht der Orientierungsstufe. Rostock: Universitätsdruckerei, o.J.

Müller, M.; Retzlaff-Fürst, C.: Verbesserung der Aufgabenkultur. Anregungen zur Förderung von kumulativem Lernen im Biologieunterricht der Jahrgangsstufen 5 bis 10. Rostock: Universitätsdruckerei, o.J.

Baur et al. (Hrsg.): Entwicklung von Wissen und Kompetenzen. Internationale Tagung der Sektion Biologiedidaktik im VDBiol. Kiel: IPN, 2003.

Retzlaff-Fürst, C.: Bodenlebewesen – nur hässliche Lebensformen der Biovielfalt? Konzeption zur Untersuchung von Schülervorstellungen zur Ästhetik von Assel, Tausendfüßer und Nacktschnecke. In: Baur et al. (Hrsg.): Entwicklung von Wissen und Kompetenzen. Internationale Tagung der Sektion Biologiedidaktik im VDBiol. Kiel: IPN, 2003, S. 231-234.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Lernen am Computer: Nahrungsaufnahme eines Storches. Untersuchungen zu Räuber-Beute-Beziehungen. In: Biologie. Lehrbuch für die Klassen 9 und 10. Brandenburg Gymnasium / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Paetec- Verlag, 2003, S. 92-97.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Lernen am Computer: Nahrungsaufnahme eines Storches. Untersuchungen zu Räuber-Beute-Beziehungen. In: Biologie. Lehrbuch für die Klassen 9 und 10. Brandenburg Gesamtschule / Realschule / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Paetec- Verlag, 2003, S. 92-97.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Lernen am Computer: Nahrungsaufnahme eines Storches. Untersuchungen zu Räuber-Beute-Beziehungen. In: Biologie. Lehrbuch für die Klassen 9 und 10. Mecklenburg-Vorpommern Regionale Schule / Verbundene Haupt-und Realschule / Realschule / Integrierte Gesamtschule / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Paetec- Verlag, 2003, S. 56-61.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin) : Lebensprozesse der Destruenten. In: Biologie. Lehrbuch für die Klassen 7  und 8. Mecklenburg-Vorpommern Regionale Schule / Verbundene Haupt-und Realschule / Realschule / Integrierte Gesamtschule / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Paetec-Verlag, 2003, S. 238-245, S. 251.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Lebensprozesse der Destruenten. In: Lehrermaterial Biologie für die Klassen 7  und 8. Mecklenburg-Vorpommern Regionale Schule / Verbundene Haupt- und Realschule / Realschule / Integrierte Gesamtschule. Berlin: Paetec-Verlag, 2004, S. 41-42.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Lernen am Computer: Nahrungsaufnahme eines Storches. Untersuchungen zu Räuber-Beute-Beziehungen. In: Biologie. Lehrbuch für die Klassen 9 und 10. Brandenburg Gymnasium / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Paetec-Verlag, 2004, S. 92-97.

Retzlaff-Fürst, C.: Bodenlebewesen – nur hässliche Lebensformen der Biovielfalt? Konzeption zur Untersuchung von Schülervorstellungen zur Ästhetik von Assel, Tausendfüßer und Nacktschnecke. referierter Forschungsband zur 15. Internationalen Tagung der Sektion Biologiedidaktik im VDBiol „Entwicklung von Wissen und Kompetenzen“. In: Klee, R.; Sandmann, A.; Vogt, H. (Hrsg.): Lehr-und Lernforschung in der Biologiedidaktik Band 2, Innsbruck: Studienverlag, 2005, S. 101-114.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Lernen am Computer: Nahrungsaufnahme eines Storches. Entwicklung einer Elch- und Wolfspopulation. In: Biologie. Lehrbuch Gesamtband Klassen 7- 10. Brandenburg Gymnasium / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Duden-Paetec-Verlag, 2005, S. 404-409.

Retzlaff-Fürst, C.: Schülervorstellungen zu ausgewählten Bodenlebewesen – Interviews zur Ästhetik von „creepy crawlies“. In: Bayrhuber, H. u.a. (Hrsg.): Bildungsstandards Biologie. Int. Tagung der Sektion Biologiedidaktik im VDBiol 27.02. bis 04.03. 2005 in Bielefeld. Kiel: IPN, 2005, S. 151-154.

Retzlaff-Fürst, C.: Modifying student´s aesthetic appraisel of „creepy crawlies“through change of perspective. In: Trends in Biology Education Research in the new Biology Era. A selection of papers presented at the VIth Conference of ERIDOB. In: Patras University Press, 2005, p. 317-328. referierter Forschungsband

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Verarbeiten biologischer Daten am Computer. In: Biologie. Biolink 7 / hrsg. von Pews-Hocke, C. und Zabel, E. - Berlin: Duden-Paetec-Verlag, 2005.

Retzlaff-Fürst, C.: The influence of metods of scientific inquiery on the development of subjective value complexes among pupils of the 10th grade - an intervention study. In: VIth Conference of ERIDOB. London: Institute of Education.University of London, 2006, p. 126.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Verarbeiten biologischer Daten am Computer. In: Biologie. 7 / 8 . - Berlin: Duden-Paetec-Verlag, 2006, S.86-89.

Retzlaff-Fürst, C. (Mitautorin): Verarbeiten biologischer Daten am Computer. In: Biologie. Gymnasium 7 / 8 . - Berlin: Duden-Paetec-Verlag, 2006, S.86-89.

Retzlaff-Fürst, C.: Schülervorstellungen zu ausgewählten Bodenlebewesen - Interviews zur Ästhetik von "creepy crawlies". In: Vogt, H.; Upmeier zu Belzen, A.: Bildungsstandards -Kompetenzerwerb. Aachen: Shaker-Verlag, 2007, S.: 67-80. referierter Forschungsband

Retzlaff-Fürst, C.: Hui oder pfui? Der Wandel des ästhetiscehn Schülerurteils über Spinnen durch Interaktion mit lebenden Hausspinnen (Tegenaria spec.). In: Bayrhuber , H. et al.: Ausbildung und Professionalisierung von Lehrkräften. Internationale Tagung der Fachgruppe Biologiedidaktik im VBIO vom 16.09.-20.09.2007 in Essen. S. 247-250.

Retzlaff-Fürst, C.: Hui oder pfui? Der Wandel des ästhetischen Schülerurteils über Spinnen durch Interaktion mit lebenden Hausspinnen (Tegenaria spec.). In: Bayrhuber , H. et al.: Kompetenzen, Kompetenzmodelle, Kompetenzentwicklung – Empirische Forschung in den Fachdidaktiken. Abstracts. 3. Kongress der GFD vom 16.09.-20.09.2007 in Essen. S. 53.

Retzlaff-Fürst, C.: Das lebende Tier im Schülerurteil. Bodenlebewesen im Biologieunterricht - eine empirische Studie. Habilitationsschrift. Universität Rostock, 2008.

Retzlaff-Fürst, C.: Was Kunst in der Biologie sieht. Infodienst. Das Magazin für kulturelle Bildung. 2008 (88), S. 22/23.

Retzlaff-Fürst, C.; Urhahne, D.: Evolutionstheorie, Religiosität und Kreationismus und wie Schüler darüber denken. MNU 62 (3) 2009, S. 173-178.

Retzlaff-Fürst, C.; Huppertz, M.: Karriereförderung in der reformierten Lehrerbildung - Abiturientenbefragung und Notwendigkeit eines Beratungskonzeptes für künftige LehramtsstudentInnen und LehrerInnen durch das Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) der Universität Leipzig. In: Newsletter des ZLS der Universität Leipzig (02) 2009, S. 6-7.

Retzlaff-Fürst, C.; Thiess, S.: Nautilus. Biologie Arbeitsheft für die Jahrgangsstufen 5-6. Bayrischer Schulbuchverlag, 2011.

Retzlaff-Fürst, C.; Thiess, S.: Nautilus. Biologie Arbeitsheft für die Jahrgangsstufen 7-8. Bayrischer Schulbuchverlag, 2011.

Retzlaff-Fürst, C.; Thiess, S.: Nautilus. Biologie Arbeitsheft für die Jahrgangsstufen 9-10. Bayrischer Schulbuchverlag, 2011.

Feike, M.; Retzlaff-Fürst, C.: Das Kühlboxkaloriemeter. Messung des Energieumsatzes kleiner Tiere in der Schule. MNU 64/4, 2011, S. 134-137.

Mitautorin an Schullehrbüchern Biologie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg

Mitherausgeberin und Autorin                            

   zurück


Bodenlebewesen – nur hässliche Lebensformen der Biovielfalt?

Konzeption zur Untersuchung von Schülervorstellungen zur Ästhetik von Assel, Tausendfüßer und Nacktschnecke

Carolin Retzlaff-Fürst 

Bodenlebewesen, die der Schüler während einer Exkursion im Biologieunterricht in der Streuschicht oder im Totholz des Waldes mit bloßem Auge beobachtet, erscheinen ihm zumeist als hässlicher Teil der Biovielfalt. Mit diesem ästhetischen Urteil ist eine emotionale Weiche in eine Richtung gestellt, die für künftige Wissenskonstruktion zu den Destruenten mit ihrer überaus bedeutsamen Rolle im Ökosystem wenig förderlich ist. Das negativ getönte ästhetische Urteil zu Bodenlebewesen überrascht nicht. Lehrer wie Fachdidaktiker sind solche ästhetischen Urteile gewohnt. Auch die vorwiegend auf objektiver Grundlage urteilenden Biologen, befragt zu ihrer Arbeit an Bodenlebewesen, zeigen Verständnis für negativ getönte ästhetische Urteile zu diesen biologischen Objekten. Beispielsweise bekennt der Biologe R. Schmelz offen zu seiner Arbeit an Enchytraeiden: „Ich würde niemanden widersprechen, der diese Würmer potthässlich findet (ohne Autor, 1998, S. 208).“ Sind Bodenlebewesen für den Schüler damit für ein und allemal nur ein hässlicher Teil der Biovielfalt?

Jüngste Untersuchungen von A. Lude (2000) zeigen, dass Handeln im Bereich des Umweltschutzes am ehesten mit affektiven Komponenten korreliert. Wird ein Objekt als „hässlich“ bewertet, ist meist eine Ablehnung dieses Objektes damit verbunden. „Schön“ wird dagegen als ein bevorzugter Wert angesehen und fördert Zuwendung sowie Auseinandersetzung mit dem Objekt. Wenn dies zugrunde gelegt wird, müsste eine Wandlung des ästhetischen Urteils der Schüler über Bodenlebewesen von einer negativen zu einer positiven Tönung Wissenskonstruktion und Umwelthandeln befördern.

Wie können beim Schüler durch biologisches Arbeiten an Naturobjekten solche emotionalen Weichen gestellt werden, dass er die „hässlichen“ Bodenlebewesen als „schön“ empfindet und solchen allgemein bildenden Wissensanteilen über Bodenlebewesen  aufgeschlossen gegenübersteht, die E. O. Wilson treffend mit den Worten beschreibt: „Die Bedeutung von Landbewohnenden Arthropoden und Insekten ist so groß, dass die Menschheit deren völliges Verschwinden wahrscheinlich nur um wenige Monate überleben würde (1995, S. 171)?“Auf diese Frage sollen meine Untersuchungen eine Antwort geben. 

Voruntersuchung

In einer 2001 durchgeführten Vorstudie zum Sachunterricht an Grundschülern der Jahrgangsstufe 4 konnte folgende Annahme bestätigt werden, die aus dem „Konzept der formalen und inhaltlichen Faktoren“ (Retzlaff-Fürst 2000, Tabelle 1) abgeleitet wurde: Ästhetische Urteile von Grundschülern zu bildlich dargestellten Tierarten (Rote Regenbogenboa; Zebraspinne) sind nichts Feststehendes. Sie können sich in Abhängigkeit von der Betrachtungsebene verändern. Ausschnittsbilder beider Tierarten werden im Unterschied zu

Vollbildern (Habitusdarstellungen) ästhetisch positiver beurteilt. Von Grundschülern wurden zwei unterschiedliche ästhetische Urteile zu bildlichen

Darstellungen zur gleichen Tierart abgegeben (Retzlaff-Fürst/ Horn 2002).

 

Überblick: Ästhetisches Urteilen

Ästhetische Wertungssaussage

                            Wertespektrum

- sehr schön -- schön -- weniger schön -- hässlich -

Ästhetische Begründungs-aussage

Formale Faktoren          

Inhaltliche Faktoren

(Konzept von Retzlaff-Fürst 2000)

 

–         Farben und Farbkombinationen

–         Formelemente (Symmetrie, Rhythmus)

–         Stetige Krümmung (Kreise, Spiralen, Wellenlinien)

–         Gleichgewicht

Nach dem Konzept der kognitiven Wissensstruktur (White/Gunstone 1992)

–         Propositions

(deklaratives Fachwissen)

–         Images

(mentale Bilder)

–         Episodes

 (Erlebnisse, Episoden)

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle 1: Konzept der formalen und inhaltlichen Faktoren

Konzeption der Hauptuntersuchung

In einer Hauptstudie zum Biologieunterricht in der Jahrgangsstufe 7 soll folgende zentrale wissenschaftliche Fragestellung beantwortet werden:

Hypothetisch angenommen wird: Werden Naturobjekte wie die ausgewählten Bodenlebewesen-Formen unter verschiedenen Perspektiven beobachtet (z. B. mit bloßem Auge, Lupe, Binokular) verändert dies die Wirkung von formalen Faktoren (Farben, Formen, Symmetrien) und von inhaltlichen Faktoren (propositions, images, episodes). Sie werden verstärkt, verringert oder auch ausgeschaltet. Die jeweils gewonnenen Vorstellungen können mit einer Veränderung im ästhetischen Urteil einhergehen.

Die Studie ist methodisch wie folgt angelegt. Die ästhetischen Urteile werden in ästhetische Wertaussagen („schön - nicht schön“) und ästhetische Begründungaussagen („warum“) gegliedert. Einer Population von ca. 50 Schülern der Jahrgangsstufe 7 werden drei lebende Tierarten in unterschiedlichen Beobachtungsperspektiven präsentiert.

1.      In einem ersten Test werden die ästhetischen Urteile (Wertungsaussagen) der Schüler zu der Alltagsperspektive von Tieren (3 Arten) auf einem Fragebogen mit der Antwortskala sehr schön – schön - nicht schön - hässlich erfasst. Darüber hinaus werden die Schüler gebeten, eine Begründung für ihre ästhetischen Wertungsaussagen abzugeben. Beispiel: lebendige Asseln.

2.      In einem zweiten Test beobachten die Schüler Ausschnittsperspektiven (Lupe, Binokular) der gleichen Tierarten. Daraus ergeben sich Veränderungen für das Wahrnehmen und Erkennen formaler Faktoren. Die Schüler werden gebeten, eine ästhetische Wertungsaussage abzugeben (Erfassung über Fragebogen wie oben). Ebenso wie in Test 1 werden die Schüler gebeten, eine Begründung für ihr ästhetisches Urteil abzugeben. Beispiel: Betrachtung des Chitinpanzers der lebendigen Asseln mit dem Binokular.

3.      In einem dritten Teil werden die ästhetischen Begründungsaussagen einzelner Schüler mittels problemzentrierter Interviews erhoben. Dazu wurde ein Interviewleitfaden entwickelt, auf dessen Grundlage durch gezielte Fragen verschiedene kognitive Wissensstrukturen erhoben werden können (Tab. 2: Interviewleitfaden). 

Nr.
Frage
Begründung
1
Warum?
P/I/E
2

Was weißt du über Bodenlebewesen?

-          Nenne einige.

-          Assel/Tausendfüßer/Schnecken sind auch Bodenlebewesen Was weißt du über diese Arten?         

P

(Propositions)

3

Zeichne mir bitte eine Assel/ Tausendfüßer/Schnecke auf.

-          Kannst du sie auch farbig gestalten?

-          Zeichne bitte einen Käfer. 

I

(Images)

4

Hast du irgendwelche Erlebnisse oder Erfahrungen mit Asseln/Tausendfüßern/Schnecken gemacht? Zum Beispiel:

-          Hast du schon mal einen großen Stein umgedreht?

-          Bist du in einem feuchten und kalten Keller gewesen?

-          Hast du im Wald unter Borkenstücke geguckt?

-          Bist du an einem Sommermorgen über eine feuchte Wiese gelaufen?          

E

(Episodes)

Tabelle 2: Interviewleitfaden

Die Untersuchung soll in zwei Teilen ausgewertet werden:

 Im Vortrag werden erste Ergebnisse der Studie und gegenwärtig absehbare Schlussfolgerungen für die Gestaltung des Ökologieunterrichts diskutiert.

Literatur

Kann bei der Autorin angefordert werden. 

Die Auswertung der Untersuchung läuft....

Schülerin während der Beobachtung der Organismen.

zurück


Modifying student's aesthetic appraisal of "creepy crawlies" through change of perspective 

1. Introduction

“Creepy crawlies” such as woodlouse, centiedes or slugs have important roles in ecosystems. However, school pupil characterise them often as ugly. Such emotional rejection of organisms might hinder further interest. A study of Lude (2000) shows that a person’s voluntary protection of the environment is well correlated with their affection for particular species. Those, which look “ugly” are often neglected, while “nice” ones might cause attention and care. It should be possible to increase pupils interest in “creepy crawlies” and in environmental activities by turning their aesthetic decision from a rather negative into a positive one.

This study will show how pupil’s study of “creepy crawlies” during school biology lessons can change their emotional view. 

Scientists at the University of Rostock have studied the relation between environmental education and bioaesthetic since 1995. They developed a model to analyse and modify the aesthetic view of pupil and tested the abilities of this model. The model, named “The concept of form and content” (Retzlaff-Fuerst 2000), is presented in Table 1. It can by summarised by: aesthetic decision = aesthetic assessment + aesthetic argumentation. The present study is based on this model. 

 

Aesthetic decision

Aesthetic assessment

- very nice - nice – not so nice – ugly -

Aesthetic argumen-tation

Form 

(e.g. colour, shape, symmetry)       

Content

According to the theory of learning (White/Gunstone 1992)

(Propositions, Images, Episodes)

 

 

Table 1. “The concept of form and content” (Retzlaff-Fuerst 2000).

In the first study, children from year 4 of a primary school confirmed the following assumption: The aesthetic decision of pupil about pictured animals (Epicrates chenchria chenchria, Agyope bruennich) is not consistent, but changes with the perspective of view. Details (e.g. the skin of a snake) get more positive responses than pictures of the complete animal (Retzlaff-Fuerst & Horn 2002). 

In the second study, the aesthetic decision of pupils from year 12 about living animals was analysed. The main question was:

Which effect has the observation of living animals in different perspectives on the aesthetic decision about those animals? 

2. Material and Methods

Three “creepy crawlies” were presented to 42 pupils of year 12 of a secondary school: Porcellio scaber (Woodlouse), Lithobius forficatus (Centipedes), Arion ater (Black slug).  The pupils were asked to observe each animal under a stereomicroscope (detailed perspective) and in their normal perspective. For the woodlouse the detailed perspective was e.g. magnified dorsal segments of the carapace and the normal perspective was e.g. the whole animal sitting in a petri dish. Then the pupils had to assess the aesthetic of the animals in a questionnaire and to explain their decision. In addition, some of the pupils were interviewed for a more detailed explanations of their aesthetic decision.

3. Results

The evaluation of the questionnaire gave the following results: The pupils changed their aesthetic decision according to the perspective the animals were observed at. The decision was more positive for the detailed perspective than for the normal perspective, for all three animals. The resonses showed that, for the detailed perspective the aesthetic assessment is mainly explained by form (e.g. “grey dots”), while for the normal perspective it is mainly explained by content (e.g. “looks really scary”).

These results were presented at the International conference of the Union of German Biologists (VDBiol) in Berlin in September 2003. The results of the interviews are still to be evaluated, but two examples are given.

First, the pupils explained their aesthetic assessment about the dorsal segments of the carapace of the woodlouse and the whole animal:

Tim:      The colours were so shiny under the microscope - that was really great. But in reality (not magnified) it looked so normal, so dirty.

Lea:      I think the woodlouse was “very nice” under the microscope and “not so nice” with a normal view. That is because you can see all the details and the carapace much better under a microscope.

These arguments relate to the form and show why the aesthetic assessment of the detailed perspective was more positive than that of the normal perspective.

Second, Lea explained why looking at the whole slug did not put her off.

Lea:      Once upon a time, I had a wart and my dad took a slug and placed it on the wart. It crawled over the wart and because of the mucus the wart disappeared. That’s why I like slugs. I think they look funny.

This is an argument, which relates to the content – it is an episode. The argument shows how important it is to have positive experiences with animals to be able to assess them positively.

More results will be presented in the talk. On the basis of the results, it will be discussed how the biology lessons at school can contribute to develop the aesthetic decision of pupils. 

4. References

Lude, A.: Naturerfahrung und Naturschutzbewusstsein: Forschungen zur Fachdidaktik. Innsbruck: Studienverlag, 2002.

Mayring, P.: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 7. Aufl. Weinheim: Deutscher Studienverlag, 2000.

Retzlaff-Fürst, C.: Die Ästhetik des Lebendigen – Analysen und Vorschläge zum Biologieunterricht am Gegenstand der Formenkunde. Berlin: Weißensee Verlag, 2001.

Retzlaff-Fürst, C. & Horn, F.:  Ästhetische Urteile von Grundschulkindern zu ausgewählten bildhaften Tierdarstellungen – eine Studie zum „Konzept der formalen und inhaltlichen Faktoren“. In: Lehr- und Lernforschung in der Biologiedidaktik. Band I. Innsbruck: Studienverlag, 2002, S. 47 – 60.

zurück


Hundertfüßer /Steinläufer (Lithobius forficatus)

Foto 1: in Draufsicht, Foto 2: Detailansicht

Fotos von Dorett Franz

Schwarze Wegschnecke (Arion ater)

Fotos von C. Retzlaff-Fürst

Regenwurm (Lumbricus spec.)

Fotos von Dorett Franz

Mauerassel (Oniscus asellus)

Fotos von Dorett Franz

zurück


home letzte Änderung: 10. Sep. 2009

biodidaktik