
1. Über die Gattung Utricularia
2. Systematik, Phylogenie und Taxonomie
2.1. Utricularia vulgaris L.
2.2. Utricularia australis R. Br.
2.3. Utricularia gibba L.
3. Utricularia in der Natur (Standorte)
3.1. Retschow (Soll-Nr. 28)
3.2. Retschow (Soll-Nr. 29)
3.3. Amaliensee (Soll-Nr. 63)
3.4. Sichelsoll (Soll-Nr. 17)
4. Gestalt der Fallen
4.1. Antennen
4.2. Die Fallenklappe
4.3. Keulendrüsen
4.4. Verdauungsdrüsen
4.5. Schleimdrüsen
5. Gestalt der Blätter
6. Fangverhalten
6.1. Algen in den Fallen
6.2. Zooplankton in den Fallen
7. Literatur
8. Kontakt
Die Wasserschläuche Utricularia stellen die artenreichste Gattung von karnivoren Blütenpflanzen dar und sind zugleich die artenreichste Gattung der Wasserschlauchgewächse Lentibulariaceae und umfassen etwa 220 Arten weltweit. Die größte Diversität wird in Südamerika erreicht, allein in Brasilien gibt es 59 Arten, dicht gefolgt von Australien mit 55 Arten.
In Deutschland kommen insbesondere aquatische Arten wie der Gewöhnliche Wasserschlauch Utricularia vulgaris, der Verkannte Wasserschlauch U. australis und der Kleine Wasserschlauch U. minor vor. Diese Arten besiedeln zumeist stehende und langsam fließende Gewässer mit geringem Nährstoffgehalt. Durch das geringe Vorkommen an Nährstoffen, müssen sich die Wasserschläuche zusätzlich ernähren: Sie fangen kleine Tiere (vor allem Copepoda und Cladocera), um so an das fehlende Phosphat, Stickstoff und an Salzen zu gelangen.
An der Universität Rostock beschäftigen wir uns mit aquatischen Wasserschlauch-Arten in Mecklenburg-Vorpommern. Wesentliche Untersuchungsschwerpunkte sind u.a. in welchem Umfang nicht nur kleine Tiere, sondern auch Algen gefangen werden. Des Weiteren wird untersucht, welche Rolle diese Algen für den Nährstoffhaushalt von Utricularia spielen.
Heimische Wasserschläuche sind ein- oder mehrjährige meist submerse Blütenpflanzen, die häufig in nährstoffarmen Gewässern wachsen und Fangbläschen (engl. bladders) ausbilden, um damit kleine Tiere (z.B. Rotatoria, kleine Crustaceae, aquatische Nematoda, kleine Gastropoda, Ciliophora oder bestimmte Wasserflöhe) zu fangen. Bei einigen Arten kann zudem beobachtet werden, dass kleine Grünalgen sich in der Falle befinden. Ob diese aktiv gefangen werden ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Die Morphologie der Wasserschläuche ist ungewöhnlich. Die meisten Arten bilden keine echten Wurzeln aus, sondern sind frei flottierend im Wasser. Rheophytische Arten (solche fließender Gewässer) dagegen bilden Rhizome zur Verankerung aus. Eine richtige Unterscheidung zwischen Blatt und Spross kann im klassischen Sinne nicht gemacht werden.
Die zu Saugfallen umgestalteten Fangbläschen besitzen sowohl innen als außen Drüsenhaare. Die äußeren sondern bestimmte chemische Lockstoffe ab, um damit kleine Tiere anzulocken. Ebenso in der Nähe der Klappe befinden sich Fühlhaare und Antennen, die eine wichtige Funktion für die Reizwahrnehmung spielen.
Im Inneren der Falle herrscht ein Unterdruck. Bei U. vulgaris konnten Innendrücke um 0,14 bar gemessen werden. Die dort befindlichen Drüsenhaare sondern Verdauungsenzyme ab (Esterase, Phosphatase und Protease).
Reizt nun ein Tier die äußeren Fühlhaare, so wird eine der schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich durchgeführt. Der gesamte Vorgang soll nicht mehr als 2 Millisekunden in Anspruch nehmen. Die Fangklappe öffnet sich blitzschnell und durch den Innendruck in der Falle wird das Tier in die Falle gesogen. Sofort schließt sich die Klappe danach wieder.
Bei den Blüten ist Selbstbestäubung nicht selten. So werden häufig kleistogame und chasmogame Blüten zusammen an einem Blütenstand beobachtet. Die Blüten sind zudem (für Lamiales typisch) zygomorph und werden aus zwei verwachsenen Kelch- und fünf verwachsenen Kronblättern gebildet. Meist stehen diese in traubigen Blütenständen, die bei aquatischen Arten über die Wasseroberfläche ragen.
In den circumpolaren Regionen der Erde bilden viele Arten Winterknospen aus. Diese Turionen sinken in der kalten Jahreszeit auf den Gewässergrund und treiben dann im Frühjahr wieder aus. Turionen sind keine Samen, sondern werden vegetativ gebildet. Die Samen sind in rundlichen Kapselfrüchten enthalten, die nicht größer als 1 Millimeter werden und meist lichtkeimend sind.
Systematik
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Klasse: Rosopsida
Unterklasse: Asteridae Ordnung: Lamiales Familie: Lentibulariaceae Gattung: Utricularia |
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Utricularia vulgaris
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Utricularia vulgaris
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Utricularia australis aus dem Labor
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Utricularia gibba aus dem Labor
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Retschow
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Retschow (Soll-Nr. 28)
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Retschow (Soll-Nr. 29)
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Amaliensee (Soll-Nr. 63)
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Sichelsoll (Soll-Nr. 17)
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Falle im Detail
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Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der Blätter, Fallen und der Fallenklappe
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Falle im Detail
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Antennen
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Fallenklappe
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Keulendrüsen
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Keulendrüsen
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Verdauungsdrüsen
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Verdauungsdrüsen | Zweiarmdrüsen
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Schleimdrüse von oben
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Blattzipfel und Blattborsten
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Scenedesmus sp.
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Scenedesmus sp.
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Scenedesmus sp.
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Scenedesmus sp.
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Pediastrum sp.
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Pediastrum sp.
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Pediastrum sp.
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Pediastrum sp.
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Crucigenia sp.
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Cosmarium sp.
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Diatomee
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Diatomee
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| Art | Häufigkeit |
| Scenedesmus sp. | häufig |
| Pediastrum sp. | häufig |
| Crucigenia sp. | mäßig |
| Cosmarium sp. | mäßig |
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Zooplankton
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Zooplankton
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Zooplankton
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Zooplankton
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Zooplankton
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Zooplankton
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Zooplankton
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| übergeordnetes Taxon | Taxon | Gattung/Art | Häufigkeit |
| Crustacea | Copepoda | Megacyclops viridis | sehr häufig |
| Cyclops sp. | häufig | ||
| Mesocyclops sp. | mittel | ||
| Acartia tonsa | mittel | ||
| Cladocera | Bosmina sp. | sehr häufig | |
| Alona sp. | häufig | ||
| Disparalona sp. | mittel | ||
| Chydorus sp. | mittel | ||
| Insektenlarven | Diptera | ||
| Rotatoria | |||
| Testacea | |||
| Ciliata | |||
Karnivoren - Biologie und Kultur Fleischfressender Pflanzen
WILHELM BARTHLOTT, STEFAN PROEMBSKI, RÜDIGER SEINE, INGE THEISEN (Ulmer 2004, ISBN 3-8001-4144-2)
The zoogenic food composition of Utricularia vulgaris in the Lake Ferto
ANDRIKOVICS, S. FORRO, L. & ZSUNICS, E. Budapest (1988)
Fleischfressende Pflanzen
BRAEM, G. (1996)
Süßwasserflora von Mitteleuropa
CASPER, S, J. & KRAUSCH,H,D. Jena (1981)
Beiträge zur Taxonomie und Chorologie der mitteleuropäischen Utricularia - Arten
CASPER, S, J .& MANITZ,H . Berlin, 211-232 (1975)
Uptake and translocation of prey-derived 15N and 32 P in Utricularia vulgaris L.
FRIDAY, L. & QUARMBY, C. 271-280 (1993)
Prey selection in three species of the carnivorous aquatic plant Utricularia (bladderwort)
HARMS, S. Stuttgart (1999)
Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Utricularia-Blasen
MEIERHOFER, H. 85-113
Carnivory and nitrogen supply affect the growth of the bladderwort (Utricularia uliginosa)
JOBSON, W, R. CHARLES MORRIS, E & BURGIN, S. 549-560 (2000)
Die Gattung Utricularia (Lentibulariaceae) in Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt)
JOST CASPER, S. 367-374 (1966)
Beiträge zur Kenntnis der europäschen Arten von Utricularia
MEISTER, F. 1-40
Biologische Studien über die Utriculariablase
MERL, M, E. 59-74 (1922)
Food composition of Aquatic Bladderworts (Utricularia, Lentibulariaceae) in various Habitats
METTE, N. WILBERT, N. & BARTHLOTT, W. 72,1-13 (2000)
Die Funktion der Blase von Utricularia vulgaris
NOLD, H, R. 415-446
Prey selection in three species of the carnivorous aquatic plant Utricularia (bladderwort)
HARMS, S. Stuttgart, 449-470 (1999)
Water Extrusion in the Trap Bladders of Utricularia vulgaris I A Possible Pathway of Water across the Bladder Wall
SASAGO, A. & SIBAOKA, T. 55-66 (1985)